Der Libanon scheint von den Wirren des „Arabischen Frühlings“ verschont zu bleiben. Die libanesische Demokratie, so lückenhaft und vage sie sein mag, hat nichts mit den Regimen gemein, die auf roher Gewalt gründen und von ihrer Bevölkerung verhöhnt werden.
Vielmehr beruht die libanesische Politik auf der Teilung der Macht zwischen den wichtigsten religiösen Gemeinschaften des Landes: den maronitischen Christen, den sunnitischen Muslimen und den Schiiten. Aber dieses fragile Gleichgewicht wird heute durch die zunehmende Bedeutung der Hisbollah in Frage gestellt, einer bewaffneten schiitischen Partei, die von Syrien und der islamischen Republik Iran unterstützt wird. Die „Partei Gottes“ hat politisch enorm von ihrem „Sieg“ gegenüber Israel im Jahre 2006 profitiert.
Sie nimmt künftig eine Vormachtstellung im Libanon ein und kann Regierungen bilden und auflösen. Die Hisbollah ist dennoch in einer unbequemen Position angesichts der Unruhen, die ihren großen Nachbarn Syrien erschüttern. Sie ist abhängig von der Logistik aus Damaskus und schuldet dem Regime Baschar al-Assad ihre Unterstützung, um ihre führende Position in der libanesischen Politik beizubehalten.