Die Wahlen zur verfassungsgebenden Versammlung waren von zwei Hauptfaktoren geprägt: von der hohen Wahlbeteiligung und dem starken Aufschwung der Partei Ennahda. Die Islamisten, die seit mehreren Monaten als die großen Favoriten des Urnengangs gehandelt wurden, steigen ganz oben in die politische Szene Tunesiens ein.
Diese Perspektive beunruhigt viele im Ausland, darunter die westlichen Länder, aber auch viele im Inland. Die tunesischen Republikaner sind nicht Anhänger eines laizistischen Modells – in Tunesien ist der Islam die Staatsreligion – sondern eines starken Staates. Von der Rechten bis zur Linken fürchten sie, dass der Sieg von Ennahda die radikalen Islamisten unterstützen könnte.
Den Frauen fällt hier eine besondere Rolle zu. Sie genießen in der Tat einen eher liberalen Status: Recht auf Scheidung, Schulpflicht… Und man muss Tunesien an dem Kampf der Frauen für ihre Rechte messen. Außerdem lässt die Aufsplitterung der politischen Parteien eine starke Instabilität des Parlaments befürchten. Und schließlich sind auch die Mafia, die Rückkehr der Anhänger Ben Alis und der Ausbruch der Gewalt unbekannte Größen, die die Geburt des neuen Tunesiens bedrohen.