In Marokko trägt der König den Titel Emir Al-Moumimin, was wörtlich „Prinz der Gläubigen“ bedeutet. Er ist der Dynastie der Aleviten entsprungen, die vorgeben, vom Propheten Mohammed abzustammen. Dieser glanzvolle Titel verleiht der Macht eine Heiligkeit, die selten in Frage gestellt wird.
Seit Jahrhunderten festigt der König seine Macht nicht über die Armee, sondern über das, was in Marokko Makhzen genannt wird. Das Wort ist heute in die Alltagssprache übergegangen und bezeichnet den marokkanischen Staatsapparat, anders ausgedrückt die Verwandten von Mohammed VI, die in allen Schlüsselbereichen präsent sind (Polizei, Verwaltung, Nachrichtendienst, Wirtschaft).
Ein neuer Fakt ist seit Anfang der 90er Jahre, dass das Phänomen des Islamismus einen immer stärkeren Druck auf die marokkanische Politik ausübt, eingeschlossen die Bereiche, die dem König vorbehalten sind. Seit dem 20. Februar hat die gleichnamige Bewegung schließlich tausende von Jugendlichen auf die Straße getrieben, den König gezwungen, Stellung zu beziehen und eine konstitutionelle Reform provoziert – die Anfänge der unvermeidlichen Öffnung der scherifischen Monarchie.