Ägypten ist das bevölkerungsstärkste Land der arabischen Welt und auch aufgrund seiner tausendjährigen Geschichte sehr bedeutend – und wird zwischen zwei Mächten hin und hergerissen: zwischen der Armee und den Muslimbrüdern. Die Militärs haben noch immer die Macht im Land, aber der Sturz ihres Chefs Hosni Mubarak hat ihre Position geschwächt.
Der Armee, die als pazifistisch und patriotisch angesehen wird, obliegt nun also die immense Aufgabe, die mit der Revolution verbundenen Erwartungen nicht zu enttäuschen. Doch deshalb muss sie die Zügel der Macht teilweise zugunsten der Zivilisten und der Politiker lockern.
Als stärkste Kraft auf dem neuen Schachfeld profitieren die Muslimbrüder sehr stark von dem Freiraum, um einen politischen Islamismus durchzusetzen, der auf sozialer Gerechtigkeit und Anwendung der Scharia basiert. Sie sind stark in der ägyptischen Gesellschaft verwurzelt und werden in den kommenden Monaten eine Schlüsselrolle spielen. Eine Vorherrschaft, die die Minderheit der koptischen Christen (10% der Bevölkerung) bis aufs Äußerste beunruhigt .