Die arabische Welt in Aufruhr

TV Programm

Eine Übersicht über bereits programmierte und geplante Sendungen sowie Schwerpunkte im ARTE TV-Programm, die in Zusammenhang mit den Umwälzungen in der arabischen Welt stehen:

 Samstag, 17. November 2012 um 18.05 Uhr

ARTE Reportage

Türkei: An der Propagandafront in Hatay
Von Michael Unger, Thomas Vollherbst, Anne Rigollet und Memet Aksakal
ARTE GEIE – Frankreich 2012

Die USA und Russland arbeiten offenbar gemeinsam an einem Übergangs-Regime, das den belagerten Diktator Assad ablösen soll. Wie lange das dauern wird und ab das zu einem Ende der Gewalt führen wird, ist allerdings noch nicht absehbar.

Dass in Syrien eine überwiegend sunnitische Rebellenarmee gegen einen alawitischen Diktator kämpft, beunruhigt die Alawiten in der Türkei. Die Weltpresse würde aus Syrien einseitig berichten, befürchten sie. Die Brutalität der Rebellenarmee werde oft übersehen. Hinter dieser Kritik steckt wohl die Angst, dass mit den Flüchtlingen auch ein religiöser und ethnischer Konflikt über die Grenze kommt, den die alawitische Minderheit in der Türkei zu spüren bekommt.

Bei der Bevölkerung in der angrenzenden Türkei gibt es die Befürchtungen, dass der Konflikt übergreifen könnte. Wie unsere Reporter Michael Unger und Thomas Vollherbst feststellen mussten, gärt es in der südtürkischen Provinz Hatay. Die Hauptstadt der Region, Antakya, ist zersetzt von religiösen Konflikten, die im Ausland kaum wahrgenommen werden.

Libyen: Die Freiheit ist auch feminin
Von Charles Emptaz, Cédric Corre, Conrad Chemetoff und Walid Dziri -
ARTE GEIE / Keep Shooting – Frankreich 2012

Die meisten Frauen spielten in der Revolte des libyschen Volkes gegen ihren Diktator Gaddafi allenfalls Nebenrollen – aber nun in diesen neuen Zeiten wollen auch sie ihre Zukunft und die ihres Landes aktiv mitgestalten. ARTE Reportage hat drei ganz unterschiedliche Frauen gebeten, uns ihr Leben vor und nach der Revolte zu erzählen.     

Wir haben Soraya schon im Oktober 2011 kennengelernt. Ihre Geschichte kann sie nur unter großen Gefahren erzählen, denn sie rührt an ein altes und neues Tabu. Soraya war sieben Jahre lang eine Gefangene des Obersten Gaddafi, von seinen Schergen entführt, um sein Bett mit ihm nach seinem Willen zu teilen, eine Frau in seinem Harem. Nach dem Tod ihres Tyrannen wollte sie über das reden, was ihr Gaddafi angetan hatte. Aber niemand wollte das hören und man drohte ihr offen, sie solle lieber schweigen – die Revolution scheint die Mentalität vieler Männer nicht verändert zu haben.

Rana ist so alt wie Soraya, 22 Jahre. Vor Rana scheint eine glänzende Zukunft zu liegen. Sie gehört zur neuen Generation des Arabischen Frühlings: Weltoffen, im Internet vernetzt, lebt sie auch online, zwischen SMS, Twitter und politischen Diskussionen im Chat. Rana will diese Gesellschaft verändern, will öffentlich diskutieren, kein Thema macht ihr Angst. Sie träumt von einer neuen Präsidentin für Libyen.

Lamia, ist 40, sie lebt in Bengasi und zählt zu den wenigen Aktivistinnen der libyschen Revolution. Sie ist unverheiratet, sie trägt keinen Schleier und ihre politische Haltung ist eigentlich die einer Liberalen. Viele der neuen Parteien in Libyen wollten sie für sich gewinnen. Doch Lamia entschied sich ausgerechnet für die umstrittene islamistische Partei El Watan. Es geht ihr weniger um den Islam oder um alte Traditionen – sie kämpft für die Erziehung der Jugend und El Watan ist eben ihre Partei der Wahl.
Soraya, Rana und Lamia kennen sich nicht persönlich. Aber eines haben sie gemeinsam: Sie kämpfen jeden Tag in einer Männergesellschaft um ihre Existenz in einem Land, dessen neue Geschichte gerade geschrieben wird.

 



BEREITS GESENDET:

Dienstag, 09. Oktober 2012 um 22:06 Uhr

I Love Democracy – Türkei

Dokumentation von Emmanuel Leconte und Daniel Leconte
1h30mn, Frankreich, 2012, ARTE F

 

Der Dokumentarfilm zeigt, wie lebendig die türkische Zivilgesellschaft trotz aller versuchter Einschränkungen tatsächlich ist. Das beweist auch der Blick auf die Istanbuler Prachtstraße Istiklal Caddesi (“Unabhängigkeitsstraße”). Sie ist die türkische Demo-Meile für alle Regimegegner – ob Frauenrechtlerinnen, protestierende Gymnasiasten oder Islamisten.

Die Reise auf den Spuren der Demokratie quer durch die Türkei erkundet eine Gesellschaft im ständigen Spagat zwischen dem Erbe Mustafa Kemal Atatürks, der sich bei der Gründung der laizistischen und nationalistischen türkischen Republik auf die Werte der Französischen Revolution berief, und der heutigen islamistischen Regierung unter der Führung von Recep Tayyip Erdogan, der meint, Demokratie sei ein “Autobus, aus dem man aussteigt, wenn die Endstation erreicht ist.” Dabei hatte genau diese Regierung mit mehreren demokratischen Reformen die Pforten Europas aufgestoßen, mehrere der für den Putsch von 1980 verantwortlichen Generäle vor Gericht gestellt und die Macht des Militärs deutlich beschnitten. Wie erklärt sich dieser Widerspruch?
Das Roadmovie führt zunächst nach Gaziantep, einer Hochburg von Erdogans Partei AKP, von der aus traditionalistische Firmenchefs als “anatolische Tiger” nationale wie internationale Märkte erobern und die Türkei zu einer neuen Wirtschaftsmacht machen wollen. In der kurdischen Hauptstadt Diyarbakir dreht sich alles um die Pressefreiheit: Zwar verzeichnet die Türkei nach China das zweitgrößte Wirtschaftswachstum der Welt, aber auch fast dreimal so viele verhaftete Journalisten.
Einen Einblick in die bunte Vielfalt der jungen Generation gibt es in der Hauptstadt Ankara. Islamisten und verschleierte Frauen, Kemalisten und Republikaner, Linke und Rebellen begegnen einander auf dem Campus der renommierten ODTÜ, der Technischen Universität des Nahen Ostens.
In der Türkei gilt immer noch die von den Putschgenerälen erlassene Verfassung. Bis Ende des Jahres soll allerdings eine neue Verfassung vorliegen. Wird sie eine echte Demokratie garantieren oder eher den Ambitionen des Ministerpräsidenten zuspielen, der sich gerne als erster direkt gewählter Präsident sehen würde?

 


Samstag, 22. September 2012 um 18.05 Uhr

ARTE Reportage
Syrien: Vorteil für die Kurden

52mn, Frankreich, 2012, ARTE

Im Westen Syriens kämpfen die Rebellen von der Freien Armee gegen die Truppen des Diktators Assad – im Nordosten des Landes aber ist es überraschend ruhig. Dort leben die syrischen Kurden und ihnen ist es gelungen, Assad Zugeständnisse abzuringen.
Lange Jahre unterdrückte das Regime jede freiheitliche Regung der Kurden, der Mehrheit im Nordosten – zu Beginn der Proteste gegen Assad im März 2011 demonstrierten die Kurden wie die sunnitische Bevölkerungsmehrheit gegen die Regierung. Bei den Kurden aber blieb es bis jetzt bei friedlichen Protesten. Baschar al-Assad wollte verhindern, dass die Revolution das ganze Land ergreift und machte den Kurden deshalb Zugeständnisse: Er verlieh ihnen mehr Rechte und seit Mitte Juli kontrollieren die Kurden mehrere ihrer Städte im Nordosten.   
Zum ersten Mal überhaupt gelang es den Reportern von ARTE in das syrische Kurdistan zu reisen, Wirtschaftlich ist die Region vor allem durch ihren Ölreichtum interessant. Der aber weckt natürlich Begehrlichkeiten. Noch halten die Kurden ihren Vorteil, ihre neue « Freiheit im Krieg » in ihren eigenen Händen, aber der Druck auf sie wächst jeden Tag.   

Wiederholungen:
28.09.2012 um 10:35

Samstag, 22. September 2012 um 19.00 Uhr

 


MIT OFFENEN KARTEN
Syrien (2/2): Die regionalen Auswirkungen des Konflikts

Regie: Frédéric Lernoud, Moderation: Jean-Christophe Victor
12 Min, Frankreich, 2012, ARTE France

Jede Woche liest Jean-Christophe Victor “die politischen Kräfteverhältnisse in der ganzen Welt” aus detaillierten geografischen Karten. Sein Credo: “Die Karten zum Sprechen bringen.” Und das beherrscht er wie kein anderer – in seiner Sendung “Mit offenen Karten”, jeweils samstags gegen 19.00 Uhr.

Aufmerksam beobachten regionale und internationale Akteure die Entwicklung der Lage in Syrien. Der Konflikt hat weit über die Landesgrenzen hinaus Auswirkungen: Flüchtlingsbewegungen, politische Instabilität, wirtschaftliche Konsequenzen … “Mit offenen Karten” untersucht die Beziehungen Syriens zu seinen Nachbarländern und deren Haltung zur Krise.

Wiederholungen:
27.09.2012 um 07:00
28.09.2012 um 14:15

 


Samstag 15. September 2012 um 19.00 Uhr

MIT OFFENEN KARTEN
Syrien (1/2): Die Ursprünge der Krise

Regie: Frédéric Lernoud, Moderation: Jean-Christophe Victor
12 Min, Frankreich, 2012, ARTE France

 Jede Woche liest Jean-Christophe Victor “die politischen Kräfteverhältnisse in der ganzen Welt” aus detaillierten geografischen Karten. Sein Credo: “Die Karten zum Sprechen bringen.” Und das beherrscht er wie kein anderer – in seiner Sendung “Mit offenen Karten”, jeweils samstags gegen 19.00 Uhr.

Vor mehr als einem Jahr begannen in Syrien die Aufstände gegen die nunmehr 40-jährige Herrschaft des autoritären Assad-Regimes. Die syrische Oppositionsbewegung ist zwar unmittelbar aus dem Arabischen Frühling hervorgegangen, hat aber dennoch ihre Besonderheiten. Geschichte, Geografie, Demografie und Wirtschaft des Landes geben Auskunft über die Ursachen der syrischen Krise.

Wiederholungen:
21.09.2012 um 12:30
27.09.2012 um 14:15


 

Samstag, 15. September 2012 um 18.05 Uhr

ARTE Reportage
Syrien: Die Rebellen von Aleppo

52mn, Frankreich, 2012, ARTE

 

Aleppo, die zweitgrößte Stadt Syriens ist seit Ende Juli die Hauptstadt der Rebellen gegen das Assad-Regime. Die syrische Luftwaffe und die Artillerie bombardieren seit Anfang August unablässig und systematisch die von der Freien Syrischen Armee besetzten Viertel. Sie zielen nicht nur auf die Stellungen der Rebellen, sondern auch auf Krankenhäuser und auf Moscheen. Ihr Ziel ist die totale Vernichtung des Widerstands.
Aleppo liegt in Trümmern und es hört nicht auf mit den Bomben. Die Zivilbevölkerung, Frauen, Männer und Kinder, leben direkt an der Front und sind allen Angriffen der Armee Assads schutzlos ausgeliefert – täglich verschieben sich die Linien dieser Front mitten in den Vierteln der Stadt. Trotz des Ungleichgewichts der Waffen aber scheint die Freie Armee immer noch Terrain zu gewinnen – es ist wohl ihr Mut der Verzweiflung verbunden mit dem festen Willen, die Tyrannen zu stürzen, der sie durchhalten lässt. Sophie Nivelle-Cardinale filmte eine Woche lang den Kampf einer Gruppe der Freien Syrischen Armee in Aleppo. 

Wiederholungen:
21.09.2012 um 10:25

 


Samstag 30. Juni 2012 um 05.55 Uhr

SQUARE #24 – Boualem Sansal

Am 21. Juni 2012 erhielt Boualem Sansal den Preis des arabischen Romans in Paris. Anlässlich der Preisvergabe, hat Vincent Josse den wohl wichtigsten zeitgenössischen Schriftsteller Algeriens im Institut der Arabischen Welt getroffen.

 

In Europa wird er verehrt und bewundert, von seinen eigenen Landsleuten wird er verachtet und verfolgt. Boualem Sansal hat in Algerien keinen einfachen Stand. Seine Bücher sind dort verboten. Islamisten sähen ihn lieber tot als lebendig. Und doch weigert er sich seine Heimat zu verlassen. Er harrt stur aus, denn ernsthafte Kritik, meint er, könne man nicht von außen üben. Sein Land brauche Künstler, die sich auflehnen, um Frieden und Demokratie den Weg zu ebnen.

  >> Mehr über Boualem Sansal

 


Dienstag, 12. Juni um 21.40 Uhr

BAHRAIN – VERBOTENE BILDER

Dokumentation von Stéphanie Lamorré
52 Min., Frankreich, 2012, ARTE France

 

Was in Bahrain geschieht, erfährt man lediglich aus Amateurvideos auf YouTube und Aktivistenberichten via Twitter. Die Filmemacherin Stéphanie Lamorré teilte allerdings kürzlich während eines einmonatigen illegalen Aufenthaltes im Land das Leben der Aufständischen. Um unabhängig zu berichten, schmuggelte sie eine Filmkamera ins Land, mit der sie dann verdeckt drehte.

Seit einem Jahr demonstrieren Menschen in Bahrain unter Lebensgefahr. Es gab schon 60 Tote, eine hohe Zahl in einem Land mit nur 600.000 Einwohnern. Die Forderungen sind dieselben wie in Syrien, Ägypten und Tunesien: Demokratie und Freiheit. Doch durch das Einreiseverbot für Journalisten und das Anheuern von amerikanischen Spin Doctors ist es dem kleinen Königreich gelungen, die tatsächlich existierende Protestbewegung im Land vor der Weltöffentlichkeit zu verbergen. Zu ihrem Unglück stehen die Aufständischen von Bahrain strategisch auf der Verliererseite. Das Land ist ein Satellit Saudi-Arabiens und ein Verbündeter des Westens. Die friedlichen Demonstrationen bahrainischer Zivilisten wurden sogar von Panzern der eigens eingerückten saudischen Armee niedergeschlagen; eigentlich ein militärischer Überfall auf eine unabhängige Nation, auch wenn von offizieller Stelle “zur Wiederherstellung der Ordnung” erwünscht.

Mehr Informationen und unveröffentlichtes Drehmaterial

 



Wiederholung am 23. Mai um 02.50 Uhr und am 31. Mai um 10.30 Uhr (Erstausstrahlung Dienstag, 15. Mai  um 23.05 Uhr)

Vom Bazar an die Wall Street

Dokumentation, ZDF, Deutschland, 2011, 52mn
Regie: Jörg Bundschuh, Matthias Heeder 

Mit der Banken- und Finanzkrise im Jahr 2008 und nach den Ereignissen des Arabischen Frühlings im Jahr 2011 wurde die westliche Welt auf ein alternatives, religiös geprägtes Finanzsystem mit dem Namen “Islamic Finance” aufmerksam. Im Schatten des konventionellen Finanzsystems hat sich in den Golfstaaten, der Türkei und den islamisch geprägten Ländern Südostasiens ein alternatives Konzept entwickelt, das scheinbar von der Finanz- und Bankenkrise weniger betroffen ist. Aber was genau steckt hinter “Islamic Finance”, wie ist es entstanden und wie unterscheidet es sich vom bekannten System? Ist es der häufig beschworene “Dritte Weg” zwischen Kapitalismus und Kommunismus?

Der Islam hat Einfluss auf einen Wirtschaftsraum mit mehr als 1,5 Milliarden Gläubigen genommen. Die weltweit größten Staatsfonds in den Golfstaaten, die aufstrebende Wirtschaft der Türkei und die boomenden Ökonomien der bevölkerungsstarken islamischen Länder Südostasiens prägen eine neue Verbindung – aus Rückbesinnung auf traditionelle, religiöse Werte und modernes wirtschaftliches Wachstum. Diese Entwicklung könnte sich auch in den Staaten des Arabischen Frühlings fortsetzen.
Verfechter eines islamischen Finanz- und Wirtschaftssystems sind überzeugt, dass Islam und Moderne keinen Widerspruch bilden. Die religiösen Vorgaben aus dem Koran und der Scharia sind vielmehr auch Grundlage eines Systems, das weit mehr als das westlich kapitalistische Wirtschaftsmodell ethische Werte in den Mittelpunkt stellt. Dazu zählen die gerechte Teilung von Risiken und die Förderung wirtschaftlich benachteiligter Mitglieder der Gesellschaft. Vor allem muss jedes Bankgeschäft mit einem realen Wert unterlegt werden, und Zinsen auf Bankgeschäfte sind nicht zulässig. Vom alten Bazar Istanbuls über die neue, religiös geprägte Unternehmerschicht in Anatolien bis zu den glitzernden Wolkenkratzern in Bahrain, Katar, Dubai und Abu Dhabi spielt “Islamic Finance” eine immer größere Rolle.
Die Dokumentation blickt hinter die Kulissen dieses islamischen Finanzsystems, stellt neue, aufstrebende Unternehmer, aber auch einfache Arbeiter vor. Sowohl Wirtschaftsexperten in London, dem europäischen Zentrum von “Islamic Finance”, als auch Schlüsselfiguren aus den Golfstaaten erklären Unterschiede, Gemeinsamkeiten und nicht zuletzt Probleme eines Systems, von dem viele Ökonomen glauben, dass es das 21. Jahrhundert entscheidend mitprägen wird. Islamische Rechtsgelehrte, die Scholars, legen fest, welche Finanzmodelle nach dem Koran “halal” – erlaubt – und “haram” – verboten – sind. Aber schafft es “Islamic Finance”, seiner Vorgabe gerecht zu werden, sämtlichen Bankgeschäften reale Werte zu unterlegen, also Sicherheiten, die westliche Banken durch immer neue Spekulationsmodelle nicht mehr gewährleisten?


Freitag, 4. Mai um 10.30 Uhr

ARTE Reportage: Algerien: Verdammt in Bab El-Oued
Von Kamal Redouani und Mohamed Trabelsi
ARTE GEIE / Keep Shooting, Frankreich 2012

In Algerien sind 65% der Bevölkerung unter 30 Jahre. Gleichzeitig werden die Machthaber in Algier nicht müde zu betonen, dass die Staatskassen zum Bersten voll seien, man habe 155 Milliarden US-Dollar in der Hinterhand…

Und was wird unterdessen aus dieser Jugend, die allenthalben auf den arabischen Frühling in den Nachbarländern blickt – und gleichzeitig noch die Erinnerung an die bleierne Zeit und den Bürgerkrieg zwischen 1992 und 2002 in den Köpfen trägt?

Trotz massiver Polizeipräsenz ist es Kamal Rednaoui gelungen, einfach so seine Bilder in Bab El Oued zu drehen, jenem ärmsten aber auch populärsten Stadtviertel der Hauptstadt.

Dort hat er Jugendliche getroffen, die endlich an dem Reichtum des Staates teilhaben und anders leben wollen. Andere Junge Leute wiederum rufen offen zum Boykott der Parlamentswahlen auf.

Und schließlich hat er auch junge Islamisten gesprochen, die ihm vor laufender Kamera erklären, wie sie ihrerseits daran arbeiten, den Staat Algerien einmal kalt zu übernehmen…


 

Samstag 21. April 2012 um 18.20 Uhr

ARTE Reportage: Bahrain: Die Revolte im verbotenen Land

von Stéphanie Lamorré und Mathieu Goasguen
ARTE GEIE / Premières Lignes TV – Frankreich 2012

Seit einem Jahr demonstriert die Oppositionsbewegung in Bahrain jeden Tag und keiner nimmt davon Notiz im Westen – das kleine Insel-Königreich im Persischen Golf mit seinen 600 000 Einwohnern ist das von aller Welt vergessene Land des arabischen Frühlings – vor allem auch deshalb, weil es für Journalisten verboten ist.

Für den Rest der Welt ist Bahrain ein kleines reiches Land, modern und dynamisch. In Wirklichkeit ist es eine Diktatur unter dem Sunniten-König Al-Khalifa: Die sunnitische Elite und Minderheit unterdrückt die Mehrheit der 75 Prozent Schiiten im Land, statt Meinungsfreiheit gibt es willkürliche Festnahmen von Andersdenkenden, Folter und Tod in der Arrestzelle. Gleich zu Beginn der ersten Demonstrationen vor einem Jahr rief Bahrain saudi-arabische Panzer zu Hilfe, um die Ordnung im Land wieder herzustellen.

Die ARTE-Reporter drehten deshalb ihre Reportage im Verborgenen und auf der Seite der Menschen, die sich für eine Wende zur Demokratie einsetzen – gegen ein Regime, dass ihre Revolte mit allen Mittel der Gewalt unterdrücken will.

 


Samstag, 21. April 2012, um 17.30 Uhr (WH am 23. 4. 2012 um 0.10 Uhr)

Metropolis: Der syrische Karikaturist Ali Ferzat

Mit bisher etwa 15 000 veröffentlichten Karikaturen ist Ali Ferzat eine Ikone der arabischen Freiheitsbewegung.

Dass Diktatoren weder Satire noch Karikaturen schätzen, hat Ali Ferzat, 1951 in Hama / Syrien geboren und der bekannteste Karikaturist der arabischen Welt, am eigenen Leib erfahren. Erst ließ ihn Saddam Hussein auf seine Todesliste setzen, jetzt jagt ihn der syrische Diktator Baschar al- Assad.
Am 25. August 2011 wurde Ali Ferzat in Damaskus von Assads Schlägertruppe “Schabiha” entführt, und „ als Warnung“ wurden seine Hände mehrfach gebrochen. Zusammengeschlagen fand man ihn in einem Straßengraben, das schockierende Bild ging um die Welt – gefolgt von einer beispiellosen Solidaritätskampagne internationaler Cartoon-Kollegen: „We all are Ali Ferzat“.
In der Hoffnung auf mehr Pressefreiheit hatte Ali Ferzat noch im Jahr 2000, bei Amtsantritt von Baschar al-Assad, mit der Herausgabe eines Satireblatts begonnen, Al-Dumari (Der Laternenanzünder) genannt, darin Korruption und Zensur angeprangert. Aber Assad, zunächst ein Fan, ließ das Blatt schon 2003 wieder verbieten, Ali Ferzat musste ins Internet ausweichen und lässt bis heute nicht locker. Langsam genesend stichelt und zeichnet er wieder.

>> Mehr zu Ali Ferzat auf dieser Platform

 


Montag, den 12. März 2012

14.15 Uhr

WOHIN STEUERT SYRIEN?

In Syrien herrscht ein erbarmungsloser Bürgerkrieg. Aber nicht rivalisierende Volksgruppen bekämpfen einander, sondern die Staatsmacht geht gewaltsam gegen die aufständische Bevölkerung vor, die nach demokratischen Reformen verlangt. Mehr als 2.000 Tote hat der Konflikt bereits gefordert. Tausende Menschen sind verhaftet worden, andere befinden sich auf der Flucht. Der Themenabend untersucht die Geschehnisse und fragt, warum Syriens Präsident Baschar al-Assad auf sein eigenes Volk schießen lässt.

>> Dossier auf arte.tv
>>Transkription des Live-Chats mit der Autorin Sofia Amara

um 14.15 Uhr

DIE DIKTATOREN VON DAMASKUS

 

Dokumentarfilm von Christophe Ayad und Vincent de Cointet (Frankreich, 2011, 75 Min.)
Koproduktion: ARTE France, Bonne Compagnie
Vor dem Hintergrund der andauernden Massaker an syrischen Oppositionellen beleuchtet der Film die Lage in diesem gedemütigten arabischen Land, das der Assad-Dynastie bedingungslos ausgeliefert ist.
Auch vor Syrien machte der Arabische Frühling nicht Halt, doch das Land versinkt in Angst und Schrecken: Hunderte von Toten, Tausende von Inhaftierten und ebenso viele Menschen, die in die Türkei und den Libanon flüchten. Trotz der brutalen Niederschlagung der Proteste bietet die Opposition dem Regime weiter die Stirn und fordert den Rücktritt des Herrscher-Clans. Seit den demütigenden Niederlagen gegen Israel 1948 und 1967 und dem Verlust der Golan-Höhen ist der syrische Staat ein Terrorregime unvergleichlichen Ausmaßes, was ihn jedoch nicht daran hinderte, sich auf der internationalen Bühne Achtung zu verschaffen. Aber wer ist Baschar al-Assad, dieser Präsident, der nicht davor zurückschreckt, sein Volk niederzumetzeln? Welches Vermächtnis hinterließ ihm sein Vater Hafis al-Assad, dessen Nachfolge er im Jahr 2000 antrat? Und wie gelang es dem Assad-Clan, sich so lange an der Macht zu halten? Archivaufnahmen, Experten und unmittelbar Beteiligte vermitteln Aufschluss über die jüngere Vergangenheit Syriens und beleuchten dabei geschichtliche Fakten ebenso wie weniger offensichtliche Zusammenhänge, die aus diesem komplizierten Land einen unumgänglichen Player im Nahen Osten machen.

um 15.30 Uhr

SYRIEN UNDERCOVER – IM HERZEN DER REVOLTE

 

Dokumentation von Sofia Amara  (Frankreich, 2011, 52min)                                                                                                                                                                                                          Koproduktion: ARTE France, Magnetopresse
In Damaskus und Homs filmte Sofia Amara, wie sich die täglichen Demonstrationen am Ausgang der Moscheen oder auf den Friedhöfen organisieren. In Rastan konnte sie Kontakt zu desertierten Offizieren der syrischen Armee aufnehmen, die behaupten, ein “freies Heer” aufgestellt zu haben. Diese Streitkraft mit angeblich knapp 300 Offizieren versucht mit dürftigsten Mitteln, der blindwütigen Repression durch den syrischen Staat zu trotzen. Insbesondere in Hama beobachte sie, mit welchen Mitteln das Regime gegen die Protestbewegung vorgeht: systematische Bombenangriffe auf die Zivilbevölkerung, Schießen mit scharfer Munition auf Demonstranten, willkürliche Verhaftungen, Hinrichtungen ohne Prozess, Folter. Anhand nie gesehener Bilder und Zeugenaussagen dokumentiert der Film die blutigen Militäreinsätze gegen die Demonstranten und belegt zum ersten Mal auch die unmittelbare Beteiligung von Mitgliedern der libanesischen Hisbollah und der iranischen Revolutionshüter an den Massakern. Um einen Blick hinter die Kulissen der syrischen Revolution zu werfen, nahm die Filmemacherin viele Gefahren auf sich. Immer musste sie darauf achten, nicht den Verdacht der Geheimdienste zu wecken: beim Filmen der Demonstrationen, beim Umgehen der Panzersperren vor der Stadt und bei den heimlichen Treffen mit den Aktivisten. Der mutige Film vermittelt die im Land herrschende Terroratmosphäre und veranschaulicht die Verbrechen des Regimes von Baschar al-Assad, dem zur Last gelegt wird, in fünf Monaten über 2.000 Menschen ermordet zu haben.


Dienstag, 07. Februar 2012 um 20.15 Uhr

THEMA

DAS JAHR DES FRÜHLINGS

Dokumentarfilm von Susanne Sterzenbach, Alexander Stenzel, Stephan Buchen und Lourdes Picareta (Deutschland, 2012, 1.30mn)

Kollektives Drehtagebuch der Autoren
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Die wütenden Proteste und revolutionären Auseinandersetzungen in der arabischen Welt beherrschten die politischen Schlagzeilen des Jahres 2011. Ausgehend von Tunesien, verbreitete sich ein Wille nach mehr politischer Mitbestimmung und dem Sturz diktatorischer Regime in mehreren arabischen Ländern. Die Machthaber reagierten zunächst mit militärischer Gewalt, konnten die Revolutionäre jedoch nicht aufhalten. In Tunesien, Ägypten und im Jemen traten die Diktatoren zurück, in Libyen wurde die Gaddafi-Herrschaft mithilfe der NATO beendet. In Syrien verteidigt Präsident Baschar al-Assad seine Macht mit allen Mitteln. Hier droht ein Bürgerkrieg. Der Dokumentarfilm analysiert und zeichnet Entstehung und Entwicklung der ganz unterschiedlichen arabischen Revolutionen nach und forscht nach ihren Wurzeln.

Das Jahr 2011 wird als ein Jahr der Zeitenwende in die Geschichte eingehen. Ein Sturm der Wut und des Protestes gegen korrupte, überlebte Regimes hat in der arabischen Welt vielerorts die Diktatoren hinweggefegt. Auslöser des Flächenbrandes war die Selbstverbrennung des jungen Tunesiers Mohammed Bouazizi. Er hatte trotz Studiums kaum Chancen, jemals eine anständige, existenzsichernde Arbeit zu erhalten. Die demütigenden Misshandlungen in Polizeigewahrsam ließen ihm ein Weiterleben sinnlos erscheinen.

Hätte man hundert Experten gefragt, ob ein solches Ereignis eine revolutionäre Welle auslösen könnte, hätten alle hundert das sicher verneint, so der ägyptische Publizist Hisham Kassem. Die Geschwindigkeit der revolutionären Welle hat alle überrascht, ausländische Staaten ebenso wie Geheimdienste, die bekämpften Regimes und nicht zuletzt die Protagonisten der Revolution selbst.

Bald zeigten sich die Unterschiede zwischen den Nationen und ihren Regimes. In Libyen wären die Rebellen ohne die NATO-Unterstützung kaum siegreich gewesen. In Tunesien wurden Wahlen abgehalten, bei denen die sich auf den Islam berufende Partei “Ennahda” (Wiedergeburt) als Siegerin hervorging. Sie betont zwar, die Prinzipien der Demokratie und Toleranz zu akzeptieren, aber die jungen Menschen, die die Revolution vorantrieben, und die Frauen misstrauen diesen Bekundungen. In Ägypten herrscht seit dem Sturz Mubaraks das Militär, das sich auf die Seite der Demonstranten geschlagen hatte. Doch so richtig wollen die Generäle die Macht nicht aufgeben und sich einer demokratisch gewählten Regierung unterstellen. Andererseits brachten die ersten Wahlen einen Sieg der Muslimbrüder und – für viele erschreckend – starke Stimmanteile für die Salafisten, Befürworter eines radikalen Islamismus.

In Syrien versucht Präsident Baschar al-Assad die Macht seines Familienclans mit allen Mitteln zu erhalten. Woher nehmen die Menschen den Mut, trotzdem jeden Tag zu protestieren? Sie haben kreative Formen des Protestes entwickelt, wie Tänze, Graffitis, Satire im Internet. Aber die Gründung der Freien Syrischen Armee durch desertierte Soldaten führte zu gezielten bewaffneten Aktionen gegen militärische Einrichtungen des Regimes. Damit wächst die Gefahr eines Bürgerkrieges.
Im Jemen ist die Revolution nach einem Jahr ausgebremst. Präsident Saleh, seit 33 Jahren im Amt, ist zurückgetreten, aber wird weiter als graue Eminenz im Hintergrund die Fäden ziehen. Außerdem tobt hinter der Revolution ein Kampf der traditionell mächtigen Stammesverbände, die ihre Pfründe und Einflussbereiche erhalten wollen. Verträgt sich eine Stammesgesellschaft mit der Demokratie?

In all diesen Ländern und innerhalb der einst gegen die Diktaturen einigen Opposition schwelt der Konflikt zwischen den Kräften der Erneuerung und jenen, die eher eine religiös definierte Tradition restaurieren wollen als die Gesellschaft zu demokratisieren. Werden die Losungen der Arabischen Revolution “Brot, Freiheit, Würde” sich verwirklichen lassen oder werden diese großen geschichtlichen Umwälzungen in der arabischen Welt wieder in einer epochalen Enttäuschung enden?

DEBATTE um 21.45 Uhr  (15 min)
Thomas Kausch diskutiert mit:
Mansouria Mokhefi (Leiterin des Nahost-/Maghreb-Programms des IFRI, Paris)
Dr. Stephan Roll (Nahost-Expert, SWP, Berlin)

 

MIT OFFENEN KARTEN um 00.05 Uhr
Arabische Welten
Mit der Welle der Auflehnung, die seit Ende 2010 zahlreiche Mittelmeerländer und die Arabische Halbinsel erfasst hat, wird die “arabische Welt” in den Medien häufig als Einheit dargestellt. Aber ist das tatsächlich so? “Mit offenen Karten” löst sich vom aktuellen, in stetigem Wandel begriffenen Geschehen und zeigt differenzierte Perspektiven auf, um die wechselnden Gegebenheiten tiefgründiger deuten zu können.

 


 Freitag, 20. Januar 2012 um 21.45

ARTE Kino

BEIRUT HOTEL

Frankreich / Libanon (2012)
Regie: Danielle Arbid 
90 min, ARTE koproduction
Mit Charles Berling, Darine Hamzé, Fadi Abi Samra, Rodney El Haddad, Paul Mattar, Karl Sarafidis, Randa Kaadeh.

Beirut bei Nacht: Zoha ist Sängerin in einem noblen Hotel. Eines Abends, als sie für ihr Publikum gerade die letzte Strophe gehaucht hat und sich noch einen Drink genehmigen will, begegnet sie dem französischen Anwalt Mathieu. Es ist der Beginn einer modernen libanesischen Romanze voller Leidenschaft, Sehnsucht und Misstrauen …

Mit “Beirut Hotel” erzählt Regisseurin Arbid die Liebesgeschichte zwischen Zoha und Mathieu, die von Sehnsucht, Lust und Misstrauen geprägt ist. Orient und Okzident treffen in den beiden aufeinander, sowie dies seit jeher auch im Libanon der Fall ist. “Beirut Hotel” ist eine Allegorie auf das Lebensgefühl der jungen Generation des heutigen Beiruts.

  Exklusiv-Interview mit Danielle Arbid

 


Dienstag, 10. Januar um 22.10 Uhr

Dokumentationsreihe

I LOVE DEMOCRACY: TUNESIEN

 

 Documentarfilm von Fabrice Gardel & Franck Guérin (Frankreich, 2012, 90 Min)
Koproduction: ARTE France, Doc en Stock
In Tunesien begann der Arabische Frühling, der einen Demokratisierungsprozess in Nordafrika in Gang setzte und Diktatoren und Despoten aus ihren Sesseln fegte. Doch ist die Zukunft des Landes nicht geklärt. Wird es den Weg in eine stabile Demokratie finden? Der Dokumentarfilm schildert die Hoffnungen und Ängste der Tunesier, die Ende Oktober 2011 erstmals an freien Wahlen teilnahmen und thematisiert das Erwachen der Zivilgesellschaft. Und er macht deutlich, dass die Entwicklung in Tunesien in den kommenden Jahren für einen Großteil der arabischen Welt richtungweisend sein wird.


Samstag, 22. Oktober

ARTE Reportage

um 18.15 Uhr

SYRIEN: REISE INS HERZ DER REVOLTE

Reportage von Nicolas Hénin (Großbritanien 2011)
Koproduktion: ARTE GEIE, Solas Films
Über geheime Schmugglerpfade schlich sich unser Reporter zu Fuß über die Grenze nach Syrien – mit der Hilfe von Schleppern reiste er weiter von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt bis nach Homs, in die Hochburg der Rebellen gegen das Assad-Regime. Die Stadt wird belagert von den Panzern der Diktatur – sie bemühen sich mit voller Feuerkraft, die Revolte niederzuschlagen. Bisher vergeblich: Nicolas Hénin traf die syrische Opposition in Homs, die sich nicht einschüchtern lässt und mit aller Kraft versucht standzuhalten.

TUNESIEN: DIE QUAL DER ERSTEN WAHL

Reportage von Coline Tison, Pierre Creisson und Alexandra Kogan (Frankreich 2011)
Koproduktion: ARTE GEIE, Camicas Production
Wohin entwickelt sich Tunesien nach der Revolte? Die ersten freien Wahlen am 23. Oktober, neun Monate nach dem Sturz des Diktators, wecken neue Hoffnungen und neue Ungewissheiten über die Art der künftigen demokratischen Verhältnisse im Land. 11 000 Kandidaten bewerben sich um die 217 Abgeordneten-Mandate. Einer der Favoriten mit stetig wachsender Anhängerschaft ist die islamistische Partei Ennadha. Unter Ben Ali war sie verboten und heute beunruhigt ihre Popularität manche Demokraten im Land.


ARABISCHE REVOLUTIONEN

Deutschland 2011, SWR/ARTE
90 Min.
Dokumentarfilm von Alexander Stenzel und Susanne Sterzenbach
Wird aus dem „arabischen Frühling“ ein arabischer Sommer? Und überstehen die neuen Bewegungen auch Herbst und Winter? Noch ist nicht entschieden, ob Länder wie Ägypten und Tunesien sich zu Demokratien entwickeln, ob Libyen, Syrien und Jemen sich von ihren Diktatoren befreien können. Ob der revolutionäre Funke auch auf andere Länder überspringt. Aber eines ist sicher: Die arabische Welt hat sich verändert. Ein Jahr nach dem Sturz der Diktatoren in Tunesien und Ägypten analysiert Thema die gesellschaftlichen und politischen Veränderungen in der arabischen Welt.

DIE ISLAMISCHE WIRTSCHAFTSMACHT

Der Themenabend bietet in zwei Filmen eine aktuelle Bestandsaufnahme der muslimischen Finanzwelt und ihres enorm gewachsenen Einflusses auf die Weltwirtschaft.

Vom Bazar zur Wallstreet                                                                                                                                                                                                                                                                                                   52 Min.
Autor: Jörg Bundschuh, Regie: Matthias Heeder
Vom Bazar zur Wallstreet stellt Menschen vor, die strategisch und mit innovativen Ideen die Golfstaaten und die Türkei zu modernen Industrie- und Dienstleistungs-Zentren umgestalten und belegt den Einfluss des Islam auf wirtschaftliche Entscheidungen.

Tiger hinterm Schleier – Aufbruch der islamischen Weltwirtschaftsmacht                                                                                                                                                                                  52 Min.
Autor: Pria Viswalingam
Der Film Tiger hinterm Schleier- Aufbruch der Islamischen Weltwirtschaftsmacht geht der Frage nach, welche globalen Ansprüche mit der neuen islamischen Wirtschaftsmacht verbunden sind. Es wird vor allem ein Blick auf den Islam in asiatischen Ländern wie Indonesien geworfen.

 


 

Sonntag, den 2.10.2011

SONDERPROGRAMMIERUNG ZUM KINO AUS DER ARABISCHEN WELT

um 20.15 Uhr

ROTER SATIN (Satin rouge)

Frankreich/Tunesien (2002)
Regie: Raja Amari
95 Min.
Lilia lebt zusammen mit ihrer halbwüchsigen Tochter Salma in einem bürgerlichen Viertel von Tunis. Eines Nachts landet sie auf der Suche nach Salma in einem verruchten Bauchtanzlokal. Zuerst ist Lilia schockiert. Doch dann zieht die fremde Welt aus Frivolität und ausgelassener Lebenslust sie magisch an.
“Roter Satin” ist ein Film über weibliche Selbstbestimmung in einem arabischen Land. Er schildert die Befreiung einer vom sozialen Druck beherrschten Frau, die sich in einer allmählichen Metamorphose von einer zurückhaltenden, zögerlichen Hausfrau in eine begehrenswerte, sinnliche Tänzerin verwandelt.

um 21.45 Uhr

MASCARADES

Frankreich (2007)
Regie : Lyes Salem
90 Min.
Ein Dorf irgendwo in Algerien. Der prahlende Wichtigtuer Mounir möchte so wertgeschätzt werden, wie er ist. Sein wunder Punkt: Alle verspotten seine Schwester Rym, die bei jeder Gelegenheit einschläft. Als Mounir eines Abends aus der Stadt betrunken nach Hause kommt, verkündet er auf dem Dorfplatz, dass ein reicher Geschäftsmann aus dem Ausland um die Hand seiner Schwester angehalten hat. Von einem Tag auf den anderen wird Mounir zum Objekt der Begierde. Verblendet von seiner Lüge wird Mounir, ohne es zu wollen, das Schicksal  der Seinigen verändern.

um 23.20 Uhr

WHAT A WONDERFUL WORLD

Frankreich, Marokko, Deutschland (2006)
Buch: Faouzi Bensaïdi, Regie: Faouzi Bensaïdi
92 Min.

Lautlos und anonym arbeitet der einsame Profikiller Kamel hinter den gläsernen Fassaden von Casablanca. Als Computerhacker Hicham im Internet die Auftragsliste von Kamel zu Rachezwecken manipuliert, gerät Kamels Leben außer Kontrolle. Seine Versuche die Verkehrspolizistin Kenza zu treffen, in deren Telefonstimme er sich verliebt hat, lösen für beide ein lebensgefährliches Abenteuer aus.

um 15.50 Uhr

TATORT … HAUPTBAHNHOF KAIRO (Bad el Hadid)

Ägypten 1958
Regie: Youssef Chahine
90 Min.
Mit: Hind Rostom, Farid Chawki, Youssef Chahine
Kenaoui, hinkender Zeitungsverkäufer am Hauptbahnhof Kairo, ist unsterblich in Hanouma verliebt, die ihren Lebensunterhalt als illegale Limonadenverkäuferin am gleichen Bahnhof verdient. Seine amourösen Gefühle werden jedoch nicht von Hanouma erwidert. Ihr macht bereits Kofferträger und Gewerkschafter Abou Serih den Hof und die Hochzeit steht kurz bevor.  Zurückgewiesen und von blinder Eifersucht gepackt, plant Kenaoui Hanouma zu töten, bei der Tat allerdings greift er unbemerkt die Falsche an.

um 15.10 Uhr

DER PUPPENSPIELER (Garagouz)

Kurzfilm, Algerien 2010, Erstausstrahlung
Regie: Abdenour Zahzah
22 Min.
Mokhtar verdient seinen Lebensunterhalt als Puppenspieler. Unterstützt wird er dabei von seinem Sohn Nabil, der auf diese Weise den Beruf seines Vaters erlernen möchte…

um 15.30 Uhr

VERURTEILUNGEN (Condamnations)

Kurzfilm, Frankreich/Tunesien 2010, Erstausstrahlung
Regie: Walid Mattar
15 Min.
Januar 2009, ein Vorort wie jeder andere in der Hauptstadt Tunis. Vier Freunde verbringen ihre Zeit im Café ihres Viertels. Zunächst sind es Fußballspiele, die sie sich im Fernsehen anschauen, dann Kriegsbilder. Aber egal was über den Bildschirm des kleinen Fernsehapparats auch flimmert – alles ist interessanter als die gähnende Langeweile, die ansonsten ihren Alltag bestimmen würde.

 

Mittwoch, 21. September, 20.40 Uhr

GOOD BYE MOUBARAK !

Dokumentarfilm von Katia Jarjoura (Frankreich, 2010, 75 Min.)
Koproduktion: ARTE France, AMIP
Ende 2010 steht Ägypten im Wahlkampf, die Lage ist explosiv. Der Film erzählt die „Chronik einer angekündigten Revolution“ und schaut in die ungewisse Zukunft des Landes, das derzeit die ersten Wahlen der Nach-Mubarak-Ära vorbreitet.
Ägypten im Dezember 2010. Nach dem triumphalen Sieg der Regierungspartei bei den Parlamentswahlen geht das Volk auf die Straße und macht seiner Wut über die Diktatur und die weit verbreitete Korruption Luft. Der Funke der tunesischen Revolution lässt schließlich das Pulverfass explodieren, und das Mubarak-Regime fällt nach über drei Jahrzehnten ungeteilter Herrschaft. Islamisten, junge Blogger aus Kairo, Kopten aus Alexandria, Arbeiter aus anderen Landesteilen: Sie alle ziehen auf den Tahrir-Platz und verbrüdern sich in dem Gefühl, einen historischen Moment zu erleben. Diese Revolutionäre der ersten Stunde kommen in dem Ende 2010 gedrehten Film noch einmal zu Wort; bei den für September anberaumten Wahlen werden sie ein neues Kapitel der ägyptischen Geschichte schreiben.
Mit anschließender Diskussion.
>> Zum Dossier der Sendung

Picareta