Die arabische Welt in Aufruhr

Radu Mihaileanu: „Die Gesellschaft bewegt sich schneller als die Gedanken“

15 November

Der neueste Film des rumänischen Filmemachers Radu Mihaileanu ist soeben in den französischen Kinos herausgekommen, ein deutscher Kinostart steht noch nicht fest. „La source des femmes“ („Die Quelle der Frauen“) wurde in einem kleinen marokkanischen Dorf gedreht. Radu Mihaileanu, der heute in Frankreich lebt, reflektiert über die Entstehung seines Films und den aktuellen Kontext der arabischen Revolutionen.

„La source des femmes“ geht auf ein wahres Ereignis aus dem Jahr 2001 in einem kleinen türkischen Dorf zurück. Die Frauen des Dorfes hatten beschlossen in den Liebesstreik zu treten, sie verlangten von ihren Männern, dass diese einen Brunnen im Dorf bauen, damit ihnen der beschwerliche und gefährliche Weg zum Wasserholen in die Berge erspart bleibt.

 

„La source des femmes“ wurde vor dem arabischen Frühling geschrieben und gedreht. Wie kommt es, dass bei Ihnen an diesem Punkt bereits die Fragen und Themen im Mittelpunkt stehen, die erst danach durch die ganzen Revolutionen aufgeworfen wurden?

Radu Mihaileanu: Es fehlt trotzdem eine der wichtigsten Problematiken, die im Film nicht ganz aufgegriffen wird. Die kam erst danach auf. Nämlich die Frage der Arbeitslosigkeit. Die Frage nach der wirtschaftlichen Lage und der Arbeitslosigkeit betrifft alle arabischen Länder sehr stark. Aber die anderen Fragen, wie die Stellung der Frau, die Frage nach dem Dialog zwischen Tradition und Modernität, was in manchen Büchern „der Dialog zwischen der Tradition und den neuen Technologien“ genannt wird, die Beziehungen zwischen den Generationen, die Beziehung zur Religion und der Modernität der Religion, was manche den „aufgeklärten Islam“ nennen, all das wird tatsächlich im Film angesprochen. Es gibt da zwei Aspekte, die mich sehr berührt haben, bei vielen Reisen in die Länder des Maghreb, und vor allem nach Marokko… Mich hat zuerst die Schönheit berührt, die Komplexität, die Subtilität der Menschen, und vor allem der Frauen. Und ich habe einerseits sehr früh eine Diskrepanz zur westlichen Welt festgestellt, die diese Fragen enorm vereinfacht. Vor allem die Frage „wer sind die Araber?“. Man weiß doch sehr genau, dass „die Araber“ sehr verschieden sind, und dass das nicht ein einheitliches Volk ist. Vom Iran, wo die Perser leben, bis nach Marokko, wo es einerseits die arabisch sprechende Bevölkerung und die Berber gibt. Und die Frage nach der Religion, die im Westen auf die gleiche Weise ein klein wenig vereinfacht wird. Also wollte ich das einerseits vertiefen, sie selbst besser verstehen, und ein bisschen die Komplexität und die Schönheit dieser Völker zeigen. Und zweitens spürte ich schon sehr früh, dass diese Gesellschaften dabei waren, sich in manchen Aspekten weiterzuentwickeln. Ein Aspekt ist, dass die Frauen – wenn es auch manchmal sehr schwierig ist – immer mehr Zugang zum Studium haben. Und diese Frauen mancherorts sogar viel mehr Abschlüsse machen als die Männer. Also war klar, dass sie automatisch, wenn ich das so sagen darf, immer mehr verantwortungsvolle Stellen im privaten sowie im bürgerrechtlichen Bereich übernehmen würden. Also würden sie auf eine bestimmte Art und Weise die Gesellschaft verändern, indem sie sie feminisieren. Das konnte man also auf der einen Seite feststellen, und auf der anderen Seite konnte man tatsächlich einen zunehmenden Dialog zwischen Tradition, Religion und Modernität beobachten. Ein Dialog, der über die neuen Technologien stattfindet, über das Internet, das Handy und Parabolantennen, die dort sehr sehr verbreitet sind. Es war also normal, dass nicht alles nicht so bleiben konnte, wie es war. Dass es nicht so erstarrt bleiben konnte. Es gab da schon eine Bewegung, die sich in Gang setzte. Danach, gut… Man hatte nicht vorhergesehen, dass es Revolutionen in diesem Ausmaß geben würde, und vor allem nicht diesen Domino-Effekt dieser ganzen Revolutionen in der arabischen Welt. Die Analyse von heute ist noch viel komplexer als das. Man hatte sich den Bezug zur Religion, zum Extremismus nicht vorstellen können… Heute ist die Lektüre noch viel komplexer.

Richtig… Sie haben den Film in einen muslimischen Kontext gesetzt. Wollten Sie die Klischees brechen, die den Islam mit dem Islamismus verwechseln?

Radu Mihaileanu: Oh ja. Klar ist, dass es ein schreckliches Klischee gibt, das einerseits Islam mit Islamismus verwechselt, und dass nicht verstanden wird, dass die Menschen in den arabischen Ländern natürlich Muslime sind. Und dass man aufhören muss, das in Frage zu stellen. Das ist ihre Natur, das ist ihre Kultur. Aber muslimisch bedeutet nicht gleich extremistisch oder intolerant oder Hass auf andere. Das ist einfach eine Kultur. Die sind eben einfach so. Und man muss die Menschen nun einmal so akzeptieren, wie sie sind. Dann muss man sich natürlich Fragen stellen: „Was ist Demokratie in einem arabischen Land? Was bedeutet die Freiheit der Frau in einem arabischen Land? Was steht wirklich im Text , also im Koran?“ Viele diskutieren darüber, aber nur wenige lesen ihn wirklich aufmerksam, und nur sehr wenige lesen ihn in den metaphorischen Nuancen. Denn man weiß zum Beispiel genau, dass in den semitischen Sprachen, also sowohl im Koran als auch in der Tora, die Vokale nicht immer geschrieben werden. Also bleibt sehr viel mehr zu deuten und zu interpretieren. Deshalb versuche ich, diese ganzen Klischees zu brechen und die Frage zu stellen, auch wenn es nicht an mir ist, Antworten zu geben, sondern nur die Frage zu stellen: „Diese Gesellschaften sind unterschiedlich. Wie können sie auf ihre Weise, und eben nicht auf die Weise des Westens, ein Gleichgewicht finden und zu der Demokratie kommen, die ihnen entspricht?“

Um auf die Metaphern und den Humor zu sprechen zu kommen, der in Ihrem Film sehr präsent ist. Ist das nicht manchmal das einfachste Mittel, um Botschaften zu vermitteln?

Radu Mihaileanu: Ich habe einerseits festgestellt, und vielleicht ist das auch ein klein bisschen ihr Fehler, dass das Völker sind, die sehr viel Humor haben. Das vergisst man auch manchmal zu sagen. Man denkt, dass das sehr steife Leute sind, bei denen Gewalt eine große Rolle spielt… Aber ich habe entdeckt, dass vor allem die Frauen viel Humor haben und sehr poetisch sind. Sie bedienen sich auf sehr, sehr subtile und feine Weise des Humors. Obwohl diese Frauen manchmal ungebildet sind, haben sie ein überliefertes Wissen. Und sie leben in einer Kultur, in der Schamhaftigkeit eine große Rolle spielt, sie können vieles also nicht direkt sagen. Deshalb sind sie dazu gezwungen, andere Lösungen zu finden, die dann oft metaphorisch, poetisch und oft auch lustig sind. Sie haben also einen sehr subtilen Humor. Und in der Tat, was ich in all meinen Filmen von Anfang an behandle – denn auch ich bin einer Diktatur entsprungen, und ich weiß, dass die beste Waffe eine „gewaltlose“ Waffe ist: der Humor. Denn sie tut den Diktatoren immer weh, und auch allen, die intolerant sind.

Wie ist es Ihnen gelungen zu versuchen, ein Gleichgewicht im Übergang von Komödie zu Tragödie zu finden?    

Radu Mihaileanu: Ich finde, dass das Leben mir jeden Tag Lektionen dazu erteilt. Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Gestern Abend waren bei einer Vorführung in Mantes-la-Jolie 1350 Zuschauer. Das war auf eine Art und Weise so euphorisierend, das war so schön, diese ganzen Menschen versammelt zu sehen. Es waren alle möglichen Leute dort, Einwanderer und Franzosen. Das war einzigartig. Und die ganze Zeit über hatte ich das Schicksal Tunesiens im Kopf. Alles, was dort passiert, und was uns trotzdem auch hier alle beschäftigt. Und alles, was ich in den Blogs und auf Facebook etc. lese… Die Tunesier fragen sich selbst, wo es hingeht. Also Tragödie und Komödie oder Glück…Die Menschen im Saal lachten, stellten mir Fragen, wir tauschten Witze aus. Und gleichzeitig hatte ein großer Teil von ihnen zwangsläufig etwas Besorgniserregendes im Kopf, etwas sehr Beunruhigendes. Die Tragödie vermischt sich in jeder Sekunde, an allen Tagen mit unserem Schicksal und unserem Leben. Und zum Glück, zum Glück ist man nicht immer traurig, und auch nicht immer nur am Lachen. Denn das Leben kann nicht jede Sekunde aus einer Tragödie bestehen, oder, in Anführungszeichen, aus „Sinn“. Wir brauchen immer einen Sinn und das, was ich diese Inspiration nenne, diesen Bruch mit dem Tod. Denn wenn wir eine Tragödie haben, ist es der Tod, der uns auflauert. Und dann ist sie manchmal schrecklich von Barbarei geprägt, von anderen Dingen. Und das ist der Abgrund, wenn ich das so sagen darf. Und zum Glück, wenn man nachdenkt, wenn man weiter nachdenkt, schafft man es, diesen Abgrund mit einem Hauch von Humor zu überwinden. Meine Filme zeigen also das Gleiche: dass die Menschen sich emanzipieren und es schaffen, sich wieder aufzurichten und der Tragödie die Stirn zu bieten, dem Unsinn und allem… der Barbarei, der Intoleranz. Durch Humor und Verstand. Und man vergisst oft, dass man manchmal von Humor spricht und ihn als „Spiel des Verstandes“ bezeichnet. Darin ist also der Begriff des Verstands enthalten, der Begriff des Spiels. Das Leben wird auch manchmal zum Spiel, und das ist nicht schlecht.

Und das, was sich zurzeit in Tunesien abspielt, mit den Wahlen, ist das Ihrer Meinung nach eine Komödie, eine Tragödie oder noch etwas anderes?

Radu Mihaileanu: Was sich heute in Tunesien abspielt kann man nicht endgültig definieren. Man kann nicht sagen: „Das ist eine Tragödie“ oder „das ist Glück“. Das ist etwas, was in Bewegung ist. Es ist also noch ein klein wenig zu früh, um es zu definieren. Man kann es nur analysieren. Und die Analyse ist komplex. Genau wie alle anderen, glaube ich, denke ich seit einigen Tagen unentwegt darüber nach. Es gibt einen Aspekt: sie haben sich befreit. Befreit. Wenn ich sage „befreit“, meine ich, dass sie eine Revolution gemacht und sich geäußert haben. Das heißt, sie waren auf der Straße, sie wollen frei sein. Und es gibt vor allem eine Generation, die sehr jung ist, die es leid ist und die ihren Platz sucht. Heute ist es ein Land, das ein wenig den Ländern im Osten gleicht. Es gibt einige Ähnlichkeiten, auch wenn die Kulturen sehr unterschiedlich sind, vor allem was die Religion betrifft. Aber sie ähneln sich darin, dass das Länder sind, in denen noch niemand jemals gewählt hat. Das bedeutet, dass es unter den Lebenden keine Generation gibt, die Wahlen gekannt hat, eine allgemeine und geheime Wahl. Das findet zum ersten Mal statt. Deshalb fällt es ihnen im Moment schwer, sich zu organisieren, Koalitionen zu bilden. Was ist eine geheime Wahl? Das ist also ein erster Schritt. Der zweite Schritt besteht darin, sich zu sagen, dass sie wirklich frei sein wollen. Dann gibt es in der Tat einen Teil der Bevölkerung, der religiös ist, und der denkt, dass die Gesellschaft über die Scharia organisiert sein muss usw. Ein anderer Teil bezeichnet sich als religiös nach dem Vorbild der Türkei, und da muss man aufpassen, denn das wird fast zu einer sehr linguistischen Mode. Die Libyer sagen das gleiche, und man vergisst, dass Erdogan, der türkische Ministerpräsident, in all diese Länder gereist ist. Man fragt sich, was dort besprochen wurde. Und dann gibt es in diesen Gesellschaften eine Menge Leute, die sehr leicht zu manipulieren sind im Moment, weil es erst der Beginn einer Demokratie ist… Deshalb stelle ich mir oft die folgende Frage: „Wie kommt es, dass heute noch so viele Menschen zum Islamismus oder zu den religiösen Extremen tendieren?“. Und dann versuche ich, unsere Gesellschaft zu analysieren. Denn ich weiß natürlich, dass sie durch die neuen Technologien in Berührung mit unserem Modell kommen. Und es gibt in unserem Modell auch Dinge zu finden, die nicht gut laufen. Zum Beispiel erscheint ihnen manches in unserer Gesellschaft sehr oberflächlich. Und in der Tat, dieses zügellose Rennen nach Geld und Ansehen, danach, den Anschein zu erwecken, dieses oder jenes zu haben. Was selbst in unserer Gesellschaft die Menschen manchmal auf die Palme bringt, Menschen, die sagen „das sind nicht mehr wir selbst“… Also ist leider manchmal die erste Antwort, die sie auf dieser Suche nach dem Sinn, nach Spiritualität, nach Tiefe bekommen, leider eine Antwort, die oft durch andere manipuliert wird, und die dem Extremismus verfällt. Deshalb kann man keine vereinfachte Analyse machen und sich darauf beschränken zu sagen, „wie kommt es, dass sie, so kurz nachdem sie sich befreit haben, ein anderes dominantes Regime wählen? Ein „männliches“, wenn ich das so sagen darf?“. Also versuche ich über Folgendes nachzudenken: „Was leben wir ihnen vor? Was sehen sie bei uns?“ Und ich weiß, dass sie nach einem Modell suchen. Und wenn ich mir die Blogs anschaue, die Armen, die sich fragen, ob die Tunesier dort wieder auf die Straße gehen… Und gleichzeitig sagen sie, und sie haben nicht unrecht: „Aber wartet, auch das ist ein Ausdruck von Demokratie. Wenn die anderen also massiv diese fundamentalistische Partei gewählt haben, gut, dann ist das auch Demokratie.“ Sie haben nicht betrogen. Die Frage ist für mich, warum sie, kaum dass sie sich befreit haben, so massiv eine religiöse Partei wählen, die vielleicht – man kann ihr das nicht unterstellen, man weiß es noch nicht – die vielleicht ein bisschen fundamentalistisch ist. Und welche Koalitionen wird es morgen geben? Wie stehen die Chancen, dass das morgen noch eine Demokratie ist? Dass also bei den nächsten Wahlen ein anderes Spiel gespielt werden kann, dass sich eine Opposition gründen und sich äußern kann.
Da gibt es noch etwas anderes, was ich in den Blogs lese, was nicht sehr eindeutig ist: sie fragen, ob das nur eine Wahl zur Verfassungsgebung ist, oder ob das schon Parlamentswahlen sind, wo die Regierung gebildet wird, und wo sie dann die Mehrheit haben werden. Und die Regierung wird zwangsläufig von dieser Partei gebildet und geleitet. Was wird sie die anderen tun lassen? Wie wird die Pressefreiheit aussehen, die Redefreiheit? Wenn ich heute sehe, dass sich manche Freunde schon im Internet geäußert haben und deshalb bedroht wurden?
Aber dann achte ich auch sehr aufmerksam auf uns. Welches Modell leben wir ihnen vor? Und ich gebe Ihnen ein Beispiel zu den Medien: Ich bringe einen Film heraus. Ich habe das Glück, dass meine Filme heute funktionieren. Ich habe eine ganz gute Beziehung zu den Medien, trotzdem wollen manche Medien nur dann über den Film reden, wenn sie Stars haben. Wo stehen wir also? Wie steht es um den Sinn, und den Sinn des Dialogs über den Sinn mit der Öffentlichkeit? Es gibt keinen Dialog über den Sinn mehr. Wir haben einen Dialog über eine Hülle, über etwas Oberflächliches. Wenn unsere Gesellschaft, die westliche Gesellschaft, die in Anführungszeichen „das Beispiel der Zivilisation“ sein sollte, nur eine materiell ausgerichtete und oberflächliche Gesellschaft ist, dann muss man auch verstehen, dass andere Gesellschaften das nicht so wollen. Und dass sie sich – manchmal vielleicht etwas ungeschickt – die Frage stellen: „Was gibt es noch für ein Modell?“ Und manchmal ist ihre Antwort, dass das alternative Modell nur religiös sein kann. Für sie ist das also spirituell. Denn wir leben keine andere Spiritualität mehr vor. Es gab eine Zeit, in der Menschen wie Malraux, Camus und Sartre Zugang zur Öffentlichkeit hatten und mit den Menschen gesprochen haben. Heute ist das sehr kompliziert. Diese Leute gibt es immer noch, aber sie werden nicht mehr gehört.

Wie definieren Sie persönlich „Demokratie“?      

Radu Mihaileanu: Demokratie fängt für mich mit etwas sehr Einfachem und Menschlichem an. Sobald man zu zweit ist, gibt es den Respekt vor dem anderen. Und den Respekt vor der Meinung des anderen, und vor der Meinungsäußerung des anderen. Das beginnt schon, wenn man zu zweit ist. In einer Gesellschaft, in der zwei mit „x“ multipliziert wird, ist in der Tat zuallererst die Pressefreiheit und die Redefreiheit im Allgemeinen der Ausdruck und der Puls der Demokratie. Das bedeutet, dass der andere das Recht hat, nicht einverstanden zu sein, eine andere Meinung zu haben. Und Demokratie, das heißt das parlamentarische System, muss aufpassen, dass dieses Recht auf Meinungsäußerung nicht in Gefahr gebracht wird, auf keine Weise, und dass diese Meinung gegenüber einer anderen Mehrheit geäußert werden kann. Das werden wir also beobachten, in den kommenden Monaten, in all diesen Ländern, in denen das Volk den Wunsch nach Freiheit geäußert hat, auch wenn es zusätzlich wirtschaftliche Interessen gibt. Wird die Redefreiheit derer, die nicht an der Macht sind, und die Freiheit so zu sein, wie sie sind, auch die Freiheit der Frauen, die Freiheit der Opposition, der Existenz einer Opposition, der Schutz dieser Opposition und das, was die Pressefreiheit ist…wird das weiter existieren?

Gibt es eine Verbindung zwischen der arabischen Revolution und den „Empörten“?

Radu Mihaileanu:Es gibt eine Verbindung, die man ziehen muss. Wir leben in einer Periode, einer Epoche, in der es Verdruss gibt, und in der die Dinge, die politischen Ansichten sich bewegen müssen und nicht nur wirtschaftlich geprägt sein dürfen mit allem, was das nach sich zieht. Das heißt, wir sind am Ende des Kreislaufs angekommen. Das spüren die Leute. Die Empörten, die wissen noch nicht, was sie an die Stelle setzen wollen, weil sie auch weniger Ansichten kennen… Vorher gab es die so genannten Ideologen, die sicher nicht nur Gutes getan haben, das gebe ich zu, aber es gab Menschen, deren Arbeit quasi darin bestand, über die Gesellschaft im Wandel nachzudenken. Denn die Gesellschaft verändert sich ständig, und die Geschichte der Menschheit ist pausenlos in Bewegung. Heute sind wir ein wenig im Schlepptau. Die Gesellschaft bewegt sich schneller als die Gedanken.

 

Interview: Sabine Lange


 

  Reportage anlässlich des diesjährigen Filmfestivals in Cannes,  Thomas Schwoerer für ARTE Journal. “La Source de femmes” wurde im Offiziellen Wettbewerb präsentiert.

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