Die arabische Welt in Aufruhr

Boualem Sansal, Preis des arabischen Romans 2012

25 Juni

sansal-teaser

Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal erhält Annerkennung und Auszeichnungen für seine politisch kritischen Romane nur aus dem Ausland. Er versteht sich als engagierter Chronist seines Heimatlandes. In Algerien hingegen wird er totgeschwiegen. Das Regime und offizielle Medien ignorieren ihn. Am 21. Juni 2012 erhielt er den Preis des arabischen Romans in Paris.  Anlässlich der Preisvergabe hat Vincent Josse den wohl wichtigsten zeitgenössischen Schriftsteller Algeriens im Institut der Arabischen Welt getroffen.

In Europa wird er verehrt und bewundert, von seinen eigenen Landsleuten wird er verachtet und verfolgt. Boualem Sansal hat in Algerien keinen einfachen Stand. Seine Bücher sind dort verboten. Islamisten sähen ihn lieber tot als lebendig. Und doch weigert er sich seine Heimat zu verlassen. Er harrt stur aus, denn ernsthafte Kritik, meint er, könne man nicht von außen üben. Sein Land brauche Künstler, die sich auflehnen, um Frieden und Demokratie den Weg zu ebnen.

Seine Rolle als engagierter Intellektueller nimmt Sansal sehr ernst. Und das obwohl er erst mit 47 Jahren mit dem Schreiben angefangen hat. Unter dem Eindruck des Bürgerkrieges und des wachsenden islamistischen Terrors veröffentlicht er 1996 seinen ersten Roman Der Schwur der Barbaren. Der promovierte Ökonom – damals noch Spitzenbeamter im Industrieministerium – wird kurz darauf beurlaubt und 2003 wegen seiner regimekritischen Äußerungen aus dem Staatsdienst entlassen.

Doch weder das Berufsverbot noch die Morddrohungen können ihn davon abhalten, mit ätzendem Spott die Missstände in seiner Heimat anzuprangern. Unermüdlich und schonungslos schreibt er an gegen Diktatur, Islamismus und Korruption. Der mutige Romancier lässt sich von niemand einschüchtern. Den arabischen Nationalisten zum Trotz verfasst er seine Romane auf Französisch und reist trotz Drohungen der Hamas im Mai 2012  zur Buchmesse nach Jerusalem.


Boualem Sansal war Gast bei
Square #24 – 23 / 06 / 2012

Im Gespräch mit Vincent Josse beschreibt Boualem Sansal die Zustände in seinem Land und erklärt, weshalb trotz Arabischen Frühlings der Duft von Jasmin in Algerien kaum weht. Thema ist natürlich auch sein letzter halb-autobiographischer Roman: Rue Darwin, Die Darwin-Straße, erzählt die zerrüttete Kindheit eines Algeriers, der von seiner Zuhälter-Großmutter aufgezogen wird.

 

 


Boualem Sansal in Jerusalem – ARTE Journal 18 / 05 / 2011

Boualem Sansal ist einer der bedeutendsten Autoren Algeriens. Zur Zeit ist er Gast auf der Buchmesse in Jerusalem. Und das brachte ihm nicht nur herbe Kritik ein , sondern auch handfeste Drohungen radikalislamischer Organisationen wie etwa der Hamas. Sie sehen in seinem Aufenthalt eine Sympathie-Bekundung für den jüdischen Staat und dessen Politik. Tatsächlich will Sansal aber den Dialog zwischen jüdischen und arabischen Intellektuellen wiederbeleben. Unser Reporter Stéphan Amar hat Boualem Sansal in Jerusalem begleitet.

 


 Interview mit Boualem Sansal – ARTE Journal 14 /10/ 2011

Boualem Sansal ist ein frankophoner algerischer Schriftsteller. Am 16. Oktober 2011 erhielt Sansal den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Das Interview führte Ulrike Dässler.

 

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