Die arabische Welt in Aufruhr

Benoît Delmas: „Marzouki, ein Ehrenmann“

19 Dezember

marzouki

Moncef Marzouki zögert nicht. Kaum wurde er zum Präsident der Republik ernannt, schon trifft er Entscheidungen mit starker symbolischer Wirkung.

 2001 wurde er von Ben Ali eingesperrt und verdankt seine Befreiung dem Einsatz von Nelson Mandela. Seit seiner Rückkehr nach Tunesien hat Dr. Marzouki eine diskrete Wahlkampagne geführt, ohne Geld. Sein Askese hebt sich stark von dem vorherrschenden Reichtum ab.

Er kündigte an, dass er in einer Villa wohnen wird, die dem Palast von Karthago angeschlossen ist. Den Präsidentenpalast selbst hielt er für übertrieben. Und er erklärte sofort, dass er alle über das Land verstreuten Paläste verkaufen möchte. Das Geld wird dem Staat zugutekommen. Als er die Orte besichtigte, war er erstaunt von der Fülle an archäologischen Schätzen und forderte, dass sie den entsprechenden Museen ausgehändigt werden. Am Samstag fuhr er zu Ehren von Mohammed Bouazizi nach Sidi Bouzid. Es ist schon lange her, dass ein Präsident ins Zentrum Tunesiens gefahren ist.

Ein symbolischer Akt nach dem anderen, Moncef Marzouki setzt den Tunesiern Zeichen. Schluss mit dem Reichtum des Königs, Schluss mit dem Kult des Scheins, Schluss mit der legalisierten Geldgier, Schluss mit der Ignoranz des Palastes von Karthago gegenüber den restlichen Regionen, Schluss mit dem Egoismus. Es ist Zeit für eine nationale Aussöhnung.

 Der vierte Präsident von Tunesien unternimmt gewagte und wesentliche Schritte. Der Mann möchte mit dem Volk sprechen und den Menschen zeigen, dass sich der Staat um sie kümmern wird.

 Er kündigt an, dass er bleibt, wie er ist: ohne Krawatte. Um es mit den Worten Cyranos auszudrücken, „seine Eleganz ist moralischer Natur“ .

 Viel Glück, Herr Präsident.

 Ein Interview mit dem tunesischen Oppositionspolitiker im Mai 2011

 Verfolgen Sie unser Blogger-Duo Benoît Delmas und Sarah Ben Hamadi


Benoît Delmas ist 40 Jahre alt, Schriftsteller und moderiert den Blog „Le Western culturel“. Zudem ist er journalistisch tätig. Er hat vier Bücher geschrieben (darunter „Bal tragique chez Vivendi“, das bei Denoël erschien, oder „La Forteresse Endemol“ bei Flammarion). Er war Redakteur bei Fayard, bevor er zum Nouvel Economiste wechselte, wo er sieben Jahre lang für die Seite Medien verantwortlich war.

 

 

 

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